Strukturelle Gewalt
Strukturelle Gewalt bezeichnet Formen von Gewalt, die nicht unmittelbar von einer einzelnen Person ausgehen, sondern in gesellschaftlichen, organisatorischen oder institutionellen Strukturen angelegt sind. Sie entsteht dort, wo Regeln, Abläufe, Machtverhältnisse oder Gewohnheiten dazu führen, dass Menschen dauerhaft benachteiligt, ausgeschlossen, abhängig gemacht oder in ihren Möglichkeiten begrenzt werden.
Anders als direkte Gewalt ist strukturelle Gewalt oft schwerer sichtbar, weil niemand offen zuschlägt, bedroht oder beleidigt. Sie zeigt sich eher darin, dass bestimmte Gruppen schlechteren Zugang zu Bildung, Sicherheit, Anerkennung, Mitsprache, Gesundheitsversorgung, Arbeit oder sozialer Teilhabe haben. Die Benachteiligung erscheint dann leicht als „normal“, „gegeben“ oder „selbst verursacht“, obwohl sie durch wiederkehrende Strukturen mit erzeugt wird.
In Gruppen kann strukturelle Gewalt zum Beispiel entstehen, wenn manche Personen systematisch weniger gehört werden, wenn Entscheidungen intransparent bleiben, wenn Zugehörigkeit von Anpassung abhängt oder wenn Macht ungleich verteilt ist, ohne dass diese Ungleichheit benannt werden darf. Der Begriff lenkt den Blick deshalb weniger auf einzelne böse Absichten als auf die Frage, welche Ordnung Verletzung, Ausschluss oder Ohnmacht dauerhaft möglich macht.



