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Dysfunktional handelnde Menschen verletzen und gefährden andere wieder und wieder. Denken sie nicht darüber nach, wie lange ihr Gegenüber das mitmacht?

Das hängt stark davon ab, welche Art von dysfunktionalem Verhalten vorliegt und wie die Betroffenen darauf reagieren. Auffällig ist jedoch, dass Menschen mit stark dysfunktionalen Handlungsmustern die Geduld und Belastbarkeit anderer häufig systematisch überschätzen.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

Sie erleben Konflikte oft anders als ihre Umgebung. Was andere als Grenzüberschreitung, Respektlosigkeit oder Manipulation wahrnehmen, erscheint ihnen selbst möglicherweise als normale Auseinandersetzung.

Sie rechnen damit, dass frühere Reaktionsmuster fortbestehen. Wenn Menschen lange nachgegeben, vermittelt oder verziehen haben, wird dies leicht als dauerhafter Zustand angesehen.

Sie fokussieren sich auf die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung und weniger auf die langfristigen Folgen für Beziehungen.

Manche haben gelernt, dass selbst schwere Konflikte selten Konsequenzen haben, weil Gruppen Harmonie bewahren wollen oder Einzelne Konflikte scheuen.

Interessant ist, dass Beziehungen, Gruppen und Gemeinschaften oft deutlich länger stabil wirken, als sie tatsächlich sind. Von außen sieht es so aus, als würden die Betroffenen alles akzeptieren. Tatsächlich sammeln sich häufig Enttäuschungen, Vertrauensverluste und ungelöste Konflikte über Jahre an. Irgendwann wird eine individuelle oder kollektive Belastungsgrenze überschritten.

Dann geschieht oft etwas, das für die dysfunktional handelnde Person überraschend wirkt:

Einzelne Menschen ziehen sich zurück.

Freundschaften enden.

Ehrenamtliche verlassen die Gruppe.

Mitglieder kündigen.

Mitarbeitende wechseln den Arbeitgeber.

Betroffene sprechen öffentlich über ihre Erfahrungen.

Eine Gemeinschaft zerfällt oder spaltet sich.

Aus Sicht der Betroffenen ist dies oft das Ergebnis einer langen Entwicklung. Aus Sicht derjenigen, die das dysfunktionale Verhalten gezeigt haben, wirkt es dagegen manchmal wie ein plötzlicher und unerwarteter Bruch.

In vielen Untersuchungen zu Gruppenkonflikten, Missbrauchssystemen und problematischen Organisationen zeigt sich ein ähnliches Muster: Nicht der einzelne Vorfall führt zum Zusammenbruch von Vertrauen, sondern die Wiederholung. Menschen können Fehler verzeihen. Sie können auch schwierige Phasen aushalten. Was Vertrauen besonders zerstört, ist die Erfahrung, dass sich trotz wiederholter Hinweise nichts ändert.

Deshalb lautet die eigentliche Frage häufig nicht: „Wie lange lassen Menschen sich das gefallen?“, sondern: „Wie lange glauben Menschen noch, dass eine Veränderung möglich ist?“ Solange Hoffnung auf Veränderung besteht, bleiben viele. Wenn diese Hoffnung verloren geht, beginnen sie zu gehen – manchmal leise und einzeln, manchmal kollektiv.

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