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Macht es nach einem Ausschluss Sinn, sich still zurückzuziehen?

Ja, das kann durchaus sinnvoll sein. Ob es sinnvoller ist als eine explizite Abschiedskommunikation, hängt vor allem von der Situation ab.

Nach einem Ausschluss ist eine wesentliche Botschaft bereits ausgesprochen worden: Die Gruppe hat die Zugehörigkeit beendet oder zumindest erheblich eingeschränkt. In diesem Fall besteht oft keine Verpflichtung, den eigenen Rückzug noch einmal zu begründen.

Ein stiller Rückzug kann besonders dann angemessen sein, wenn:

  • die relevanten Gespräche bereits geführt wurden,
  • die eigene Sichtweise bekannt ist,
  • keine echte Dialogbereitschaft besteht,
  • weitere Kommunikation vor allem neue Konflikte erzeugen würde,
  • die Entscheidung ohnehin nicht mehr verhandelbar ist.

Dann kann das schlichte Ausbleiben weiterer Kontaktversuche die deutlichste Botschaft sein.

Ein weiterer Aspekt wird häufig übersehen: Erklärungen dienen oft weniger der Information anderer als dem eigenen Bedürfnis nach einem geordneten Abschluss. Das ist legitim. Wenn dieses Bedürfnis jedoch nicht besteht, muss keine Abschiedsrede gehalten werden.

Gerade in dysfunktionalen Systemen kann ein stiller Rückzug sogar die klarere Form der Kommunikation sein. Wer nichts mehr diskutiert, nichts mehr rechtfertigt und keine Anerkennung seiner Sichtweise einfordert, signalisiert durch sein Verhalten:

Ich habe meine Konsequenz bereits gezogen.

Allerdings hat ein stiller Rückzug auch Nachteile.

Menschen, die zurückbleiben, füllen Informationslücken oft mit eigenen Interpretationen. Manche werden annehmen, die Person sei beleidigt. Andere werden glauben, sie komme irgendwann zurück. Wieder andere werden den Rückzug gar nicht bemerken.

Wer Wert darauf legt, dass die eigene Entscheidung eindeutig verstanden wird, fährt deshalb oft besser mit einer kurzen, sachlichen Mitteilung.

Interessanterweise sind die beiden Varianten in ihrer Wirkung häufig ähnlicher, als man zunächst denkt. Menschen, die verstehen wollen, verstehen meist auch einen stillen Rückzug. Menschen, die nicht verstehen wollen, verstehen oft auch nach einer ausführlichen Erklärung nicht.

Die entscheidende Frage lautet daher weniger:

„Was werden die anderen denken?“

sondern:

„Was brauche ich selbst, um einen klaren Abschluss zu finden?“

Wenn die Antwort lautet: „Nichts mehr. Alles Wesentliche ist gesagt worden“, dann kann ein stiller Rückzug eine vollkommen legitime und manchmal sogar sehr würdevolle Form des Abschieds sein.

Insbesondere nach einem Ausschluss liegt in einem stillen Rückzug oft eine besondere Form von Nüchternheit: Die ausgeschlossene Person versucht nicht mehr, die Beziehung zu retten, nicht mehr, die Gruppe zu überzeugen, und nicht mehr, eine Anerkennung zu erzwingen. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf das eigene weitere Leben. Das ist keine Flucht vor dem Konflikt, sondern kann Ausdruck der Erkenntnis sein, dass der Konflikt bereits entschieden wurde.

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