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Worin unterscheiden sich Beziehungsabbrüche von funktional und von dysfunktional Handelnden?

Der eigentliche Beziehungsabbruch kann von außen ähnlich aussehen: Zwei Menschen haben keinen Kontakt mehr. Die Unterschiede liegen meist im Weg dorthin, in den Motiven und in der Art der Kommunikation.

Funktionale Beziehungsabbrüche

Menschen mit überwiegend funktionalen Handlungsmustern betrachten einen Beziehungsabbruch meist als letzte Option.

Typischerweise geht dem voraus:

  • Probleme werden angesprochen.
  • Grenzen werden kommuniziert.
  • Konflikte werden bearbeitet.
  • Veränderungen werden versucht.
  • Die andere Person erhält die Möglichkeit, ihr Verhalten anzupassen.

Der Abbruch erfolgt dann oft, weil die Beziehung dauerhaft schädlich, unvereinbar oder nicht mehr tragfähig erscheint.

Kennzeichnend sind häufig:

  • Nachvollziehbarkeit
  • Konsistenz
  • Klarheit
  • Verantwortungsübernahme für die eigene Entscheidung

Die Botschaft lautet sinngemäß:

„Ich möchte diese Beziehung nicht fortführen. Die Gründe habe ich benannt. Ich wünsche dir dennoch alles Gute.“

Dabei muss die Entscheidung nicht angenehm oder fehlerfrei sein. Auch funktionale Menschen können sich irren. Der Prozess bleibt jedoch meist transparent.


Dysfunktionale Beziehungsabbrüche

Bei dysfunktionalen Mustern erfüllt der Abbruch oft zusätzliche psychologische Funktionen.

Er kann beispielsweise dienen:

  • der Vermeidung von Konflikten
  • der Vermeidung von Verantwortung
  • der Bestrafung anderer
  • der Machtausübung
  • der Selbstinszenierung als Opfer
  • der Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes

Typische Merkmale können sein:

  • plötzlicher Kontaktabbruch ohne Vorwarnung
  • widersprüchliche Begründungen
  • fehlende Gesprächsbereitschaft
  • Gerüchte oder Triangulation über Dritte
  • Schwarz-Weiß-Darstellungen
  • Wechsel zwischen Abwertung und erneuter Annäherung

Die eigentliche Trennung wird dabei häufig nicht sauber vollzogen. Stattdessen bleibt eine gewisse Unklarheit bestehen.


Der Umgang mit der Vorgeschichte

Ein besonders auffälliger Unterschied betrifft die Bewertung vergangener Konflikte.

Funktionale Menschen sagen eher:

„Diese Probleme bestehen seit längerer Zeit. Deshalb ziehe ich jetzt eine Konsequenz.“

Dysfunktionale Menschen sagen häufiger:

„Alles war furchtbar.“

Selbst wenn die Beziehung zuvor über Jahre eng und positiv war.

Die Vergangenheit wird rückwirkend umgedeutet, damit die aktuelle Entscheidung widerspruchsfrei erscheint.


Der Umgang mit Reaktionen

Funktionale Menschen rechnen damit, dass ihr Gegenüber enttäuscht, traurig oder verärgert sein wird. Diese Reaktionen werden als normale Folge eines Verlustes betrachtet.

Dysfunktionale Menschen erleben solche Reaktionen dagegen oft als Angriff, Schuldzuweisung oder Grenzüberschreitung.

Deshalb wird die andere Person nicht selten dafür kritisiert, dass sie überhaupt auf den Abbruch reagiert.


Der Umgang mit Endgültigkeit

Hier zeigt sich ein weiterer Unterschied.

Wenn funktionale Menschen eine Beziehung beenden, meinen sie dies meist tatsächlich so. Der Kontakt bleibt beendet, sofern keine wesentlichen Veränderungen eintreten.

Dysfunktionale Beziehungsabbrüche können dagegen zyklisch sein:

  • Abbruch
  • Distanz
  • Einsamkeit
  • erneute Kontaktaufnahme
  • Wiederholung der alten Dynamik

Die Trennung beendet dann nicht das Muster, sondern wird Teil des Musters.


Die paradoxe Beobachtung

Eine interessante Beobachtung aus vielen dysfunktionalen Beziehungssystemen besteht darin, dass diejenigen, die andere wiederholt verletzen, ausgrenzen oder unter Druck setzen, oft davon ausgehen, dass die Beziehung dennoch bestehen bleibt.

Wenn die andere Person irgendwann ruhig, sachlich und endgültig geht, wird dies daher häufig als unerwartet erlebt.

Der funktionale Beziehungsabbruch entsteht oft aus der Erkenntnis, dass alle verfügbaren Lösungsversuche ausgeschöpft wurden.

Der dysfunktionale Beziehungsabbruch entsteht dagegen häufiger aus einem aktuellen emotionalen Zustand, einem Konflikt, einem Bedürfnis nach Kontrolle oder dem Wunsch, unangenehme Spannungen nicht aushalten zu müssen.

Deshalb wirkt der erste oft wie eine Konsequenz eines längeren Prozesses, während der zweite für Außenstehende eher wie ein Ereignis erscheint, das aus der Situation heraus entstanden ist.

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