Wenn Gruppen blind werden, geschieht das selten deshalb, weil Informationen fehlen, sondern häufiger deshalb, weil bestimmte Informationen zwar vorhanden sind, aber nicht mehr dieselbe Chance erhalten wie jene Aussagen, die das bestehende Bild bestätigen und die soziale Stabilität der Gruppe erhalten.
Je stärker Einigkeit, Vertrauen und das Gefühl gemeinsamer Gewissheit werden, desto leichter entsteht die Vorstellung, dass abweichende Perspektiven vor allem störend seien, obwohl gerade sie oft die einzige Verbindung zur Wirklichkeit darstellen, die außerhalb der eigenen Annahmen existiert. Was von außen betrachtet wie Vernunft, Harmonie oder Geschlossenheit wirkt, kann deshalb im Inneren bereits der Beginn eines Prozesses sein, in dem Zweifel verstummen, Warnsignale übersehen werden und die Gruppe zunehmend nur noch das wahrnimmt, was sie ohnehin schon glaubt.
Diese Karte untersucht nicht die Dummheit von Gruppen, sondern eine wesentlich unbequemere Möglichkeit: dass Menschen gerade dann besonders anfällig für kollektive Blindheit werden können, wenn sie sich ihrer Sache besonders sicher sind.
