Gruppen entstehen durch Gemeinsamkeit, doch sie erhalten ihre Stabilität oft dadurch, dass sie festlegen, welche Unterschiede noch akzeptabel sind und welche nicht mehr. Ausgrenzung beginnt deshalb selten mit offenen Angriffen oder klaren Entscheidungen, sondern meist mit einem langsam wachsenden Gefühl der Irritation, das entsteht, wenn eine Person wiederholt Dinge sagt, sieht oder hinterfragt, die nicht zum gemeinsamen Selbstbild passen.
Je stärker eine Gruppe von Einigkeit, Loyalität oder gemeinsamen Überzeugungen lebt, desto größer wird die Versuchung, die Ursache von Spannungen nicht in den eigenen Annahmen, sondern in den Menschen zu suchen, die diese Annahmen infrage stellen. Dadurch verschiebt sich der Fokus allmählich vom Inhalt auf die Person, bis schließlich nicht mehr diskutiert wird, ob eine Beobachtung zutrifft, sondern ob der Beobachter überhaupt noch dazugehört.
Diese Karte betrachtet Ausgrenzung deshalb nicht als moralisches Versagen einzelner Menschen, sondern als einen Mechanismus sozialer Systeme, die Zugehörigkeit erzeugen, indem sie ihre Grenzen markieren.
